Gottfried Helnwein Info

Presse und Medien

Dewezet, Kultur – 15. March 2005

Der Wiener Maler und Fotokünstler zeigt "Beautiful Children" im

HELNWEIN: EIN MEISTER DES ÜBERRASCHTEN ERKENNENS

von Klaus Zimmer

Hannover. Gottfried Helnwein - ein Meister der apokalyptischen Szene. Diesem Maler und Fotokünstler ist es - wie kaum einem anderen - gegeben, aus der Wirklichkeit und zugleich aus der Erinnerung seinen Stoff zu holen und daraus ein Drittes, ein gänzlich Andersartiges, nämlich ein Bild, zu schaffen. Bilder vor allem von Menschen in einem gespenstisch gestrigen Milieu, in einer bravourösen Maltechnik vorgetragen.
Gottfried Helnwein (*1948 in Wien) ist Realist, und ein Exzentriker, der sich lachend einen Teufel um die Großwetterlage in der Kunstlandschaft schert. Es geht ihm auf den großen Leinwänden um "seine" Wahrheit, die das Kostüm einer guten Fälschung trägt. Detailversessene Szenen. Mithilfe der Kamera als Zauberkasten, die seinen Fantasien den Weg bereitet, sichtbar - und damit wahr - macht.

Der Wiener Maler und Fotokünstler zeigt "Beautiful Children" im

Helnwein prophezeit nicht die Katastrophe. Das ist ihm zu banal. Er geht ihm um das, was sich ereignet hat. Seine Bilder scheinen fotorealistisch zu sein. Doch sie transportieren versteckte Botschaften eines politisch engagierten Künstlers.

Von ihm - und auch Anselm Kiefer - stammen, laut Umfrage, die nachhaltigsten Bilder, die sich mit den Themen Nationalsozialismus und Holocaust auseinandersetzen. Und Heiner Müller fragt: "Wie hält ein freundlicher Mensch wie Helnwein es aus, seine - exzellente - Malerei zum Spiegel derSchrecken des (vergangenen) Jahrhunderts zu machen?" Oder, "hält er es einfach nicht aus, das nicht zu tun?"

Gegensätzlicher kann sich Helnweins Werk kaum darstellen: Als Besucher wird man gleich empfangen, buchstäblich eingefangen, von zwei
übergroßen faszinierenden, menschenleeren Irischen Landschaften, die man fast mit "der Nase berühren" möchte um sich zu überzeugen, dass sie tatsächlich gemalt sind.

Und, im gleichen Raum, das große in seiner nachhaltig-stillen Darstellung gemalte Porträt eines Kindes. Gottfried Helnweins zentrales Thema. Immer wieder in der Ausstellung: originäre Bilderfindungen, welche auch die uns lieb gewordenen kindertümelnden Bildvorstellungen aufbricht. Kinder satirisch verfremdet, durch Entblößungen gedemütigt.

Kein Künstler hat in der modernen Kunst das Spannungsfeld zwischen Malerei und Fotografie so hintergründig erkundet, wie Helnwein. Mit den schockierenden Kinderbildnissen stört er unsere idyllischen Vorstellungen, wenn es etwa um das christliche Thema der Leidensfähigkeit des Menschen geht, wie beispielsweise die Madonna mit Kind inmitten einer Gruppe von SS-Führern. Ein Blick zurück auch auf eine kunstgeschichtliche Tradition, die von Darstellungen des Bethlehemitischen Kindermordes bis hin zu Picassos toten Kindern in Guernica reicht. Porträts von Arno Breker bis Andy Warhol, Che Guevara und Marilyn Manson: irritierend vieldeutig.

Gottfried Helnwein will die Erfahrung einesüberraschten Erkennens wachrufen. Er ist ein Meister dieses überraschten Erkennens.

Bis 12. Juni, Di-Fr 11-17 Uhr, Sa, So und Feiertage 11-18 Uhr.

http://www.dewezet.de